Kölner Weg- 4. Etappe- Über den Nutscheid nach Herchen/Sieg

Dieser Abschnitt auf dem Kölner Weg unterscheidet sich wesentlich von den vorangegangenen Teilstrecken. In Winterscheid erreichen wir die Höhen des Nutscheid und brauchen bis Altenherfen nur eine Steigung zu bewältigen. Wir gehen auf breiten Waldwegen und erwandern uns herrliche Ausblicke auf die Berge jenseits des Siegtals, auf den Westerwald und das Siebengebirge. Erst hinter Altenherfen senkt sich der Kölner Weg ins Tal, bevor wir hinter Rieferath nochmals stramm ansteigen müssen. Unsere abwechslungsreiche Wanderung endet in Herchen, einem Luftkurort an einer der schönsten Stellen im Siegtal.

Mehrtägige Tour: Der Kölner Weg

Details

Nr.49405885
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Letzte Bewertung:
  • Zu Fuß
    Aktivität: Zu Fuß
  • ↔
    Distanz: 17,30 km
  • ◔
    Durchschnittliche Dauer: 5:40 Std. 
  • ▲
    Schwierigkeitsgrad: Mittel

  • ⚐
    Zurück zum Start: Nein
  • ↗
    Aufstieg: + 244 m
  • ↘
    Abstieg: - 365 m

  • ▲
    Höchster Punkt: 299 m
  • ▼
    Niedrigster Punkt: 105 m

Beschreibung der Wandertour

Start: Haltestelle Winterscheid Kirche

Winterscheid liegt auf einem Höhenzug, dem Nutscheid, der sich zwischen der Sieg im Süden und der Bröl sowie dem Waldbrölbach im Norden erstreckt. Den westlichsten Punkt erreicht der Höhenzug an der Mündung der Bröl in die Sieg. Die östliche Grenze liegt auf er Linie Waldbröl/Schladern. Sein höchster Berg, Hohes Wäldchen, erreicht 378 Meter. Mit mehr als 1500 Hektar Waldfläche stellt der Nutscheid eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im Bergischen Land dar. Über den Kamm des Nutscheid verlief bis 1604 die Grenze des Herzogtums Berg und der Herrschaft Homburg. Seit 1932 grenzen hier der Oberbergische und der Rhein-Sieg-Kreis aneinander.

(S) Diese Etappe beginnt an der Haltestelle Winterscheid Kirche. Wir folgen dem K, wandern an der Raiffeisenbank vorbei ortsauswärts und nähern uns der St. Peters-Kapelle.

(1) Vor ihr biegen wir nach links in eine Asphaltstraße ein, bis wir ein Forsthaus erreichen und hier in ein ausgedehntes Waldgebiet eintauchen. Nun wandern wir den Herrnsteiner Totenweg hinab.

Die Grafen von Herrnstein im Bröltal fuhren auf diesem Weg früher ihre Toten zum Friedhof nach Winterscheid.

Nach kurzer Wegstrecke kommen wir an einem auffallenden Wegkreuz vorbei und marschieren auf einem breiten Weg fortwährend talwärts.

(2) Während der Wintermonate lässt sich zuweilen ein Blick auf die links im Bröltal liegende Burg Herrnstein erhaschen. Schließlich steigt unser Weg wieder stetig bergan. Bald gelangen wir zu einem hölzernen Bock und einer Tafel, die an das beschwerliche Leben der Bauern in früheren Zeiten erinnern.
Die Bauern stellten hier die mit Korn gefüllten Säcke ab, die sie von Hatterscheid zur Herrnsteiner Mühle trugen, um zu rasten.

(3) Der Kölner Weg verläuft noch eine Zeit lang bergan, bis wir eine Straße erreichen, auf die wir nach links einschwenken. Auf ihr bleiben wir nur kurz und verlassen sie in der nächsten Linkskurve, indem wir geradeaus in einen breiten Waldweg hineinwandern. Der angenehme und schattige Weg schwingt sich in sanften Wellen über die Höhen des Nutscheid.

(4) Schließlich steuern wir auf die L86 zu und überqueren sie. An der nächsten Gabelung marschieren wir geradeaus weiter, bis wir zu einem Querweg gelangen, an dem sich der Kölner Weg nach links wendet.

(5) Hier lohnt sich ein kleiner Abstecher nach rechts. Unmittelbar vor uns sehen wir die kleine Häusergruppe von Schneppe; in der Ferne zeigen sich Westerwald und Siebengebirge als herrliches Panoramabild. Danach gehen wir zurück zum Kölner Weg und setzen unsere Wanderung fort. Wir erreichen den Nutscheid-Höhenweg, eine uralte Römerstraße.

Ob die Römer diesen Handelsweg tatsächlich anlegten, ist zweifelhaft, weil er nicht deren bautechnischen Prinzipien entspricht. Ihre Blütezeit erlebte die „Nutscheider Straße", wie sie im Mercator-Kalender von 1644 bezeichnet wird, vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Neben der Brüderstraße von Köln nach Siegen war die Straße über den Nutscheid der wichtigste Handelsweg im südlichen Bergischen Land. Mit dem Bau von Eisenbahntrassen und modernen Straßen verlagerte sich der Handelsverkehr im 19. Jahrhundert in die mittlerweile erschlossenen Flusstäler.

Wir schlendern nun einen besonders reizvollen Streckenabschnitt entlang: Links breitet sich Laubwald aus, während der Weg rechts von Fichten, Eichen, Kiefern und Birken gesäumt wird. Wenig später durchwandern wir abermals ein geschlossenes Waldgebiet und erreichen schließlich eine Kreuzung.

(6) Links bemerken wir ein modernes Kruzifix, überqueren die Kreuzung und wandern in Richtung Altenherfen. In diesem Abschnitt laufen wir auf einer waldumsäumten. Straße, die auf die L317 stößt.

(7) Wir schwenken nach links auf die L317 ein und folgen ihr ein kurzes Stück. Links und rechts der Straße wiegen sich hohe Kiefern. Nach rund 250 Metern verschwindet die L317 nach links.

(8) Wir aber biegen nach rechts ab und gehen auf dem Nutscheid-Höhenweg weiter. Ab hier wird der Untergrund für einige hundert Meter ausgesprochen uneben und beschwerlich. Der Kölner Weg schlängelt sich daher für kurze Zeit über Waldpfade, kehrt aber nach einigen hundert Metern auf einen Schotterweg zurück.

(9) Nach geraumer Zeit erreichen wir Altenherfen, den zentralen Ort auf der „Herchener Höhe", einer An- sammlung mehrerer kleiner Weiler in der Gemeinde Windeck.

1972 wurde in Altenherfen die Filialkirche St. Martin erbaut. Auch geschichtlich ist Altenherfen hervorgetreten: Am 19. Oktober 1795 griffen die Bauern der Herchener Höhe einen Trupp einrückender französischer Soldaten an, bezahlten aber ihren Mut mit vier Opfern.

In Altenherfen verlassen wir den alten Höhenweg. Vor dem ehem. Landhaus Höhe biegen wir nach rechts ab, wenden uns wenig später nach links und durchwandern den kleinen Ort, der bald zurückbleibt. Am Ende einer Weide biegen wir nach rechts ab, gehen auf einem leicht abfallenden Feldweg auf einen Wald zu und wandern bis zu einer Kreuzung.

(10) An dieser biegen wir nach rechts ab. Der schattige Wanderweg gräbt sich tiefer und tiefer in das Tal des Rieferather Bachs ein.

(11) Nach einiger Zeit queren wir die Straße Lüttershausen - Rieferath und gehen geradeaus weiter in einem stillen Bachtal, das sich schließlich kurz vor Rieferath weitet.

(12) In Rieferath wenden wir uns nach links auf die Straße Auf dem Rübenkamp, schlendern durch den Ort und gelangen zu einer Brücke.

(13) Dahinter biegen wir sofort nach rechts auf die Altenherfener Straße ein und überqueren wenig später die Ottersbacher Straße. Es geht geradeaus weiter und nun stramm bergan. In vielen Windungen verläuft der immer noch ansteigende Weg durch Buchen-, dann durch Mischwald. Schließlich verlassen wir das Waldgebiet und vor uns öffnet sich die freie Sicht auf den Westerwald und das Siegtal.

(14) Vor Gerressen erreichen wir die Gerressener Straße, die zunächst rechts am Ort vorbeiführt und später an einer Gabelung nach links in den Ort hineinschwenkt.

(15) Die Straße führt uns an einigen Fachwerkhäusern vorbei. An der nächsten Gabelung gehen wir geradeaus weiter in die Straße In der Frömmerhardt und wandern wieder aus dem Dorf hinaus. Dort bummeln wir durch Wiesen- und Weidengelände mit herrlichem Fernblick auf die sich jenseits der Sieg auftürmenden Berge. Schließlich gesellt sich rechts ein kleiner Wald zu uns, und wir wandern auf einer verkehrsarmen Asphaltstraße talwärts.

(16) Zur Linken bemerken wir einen Friedhof mit einer Kapelle. Wenige Schritte weiter zweigt der Weg als unscheinbarer Pfad nach rechts von der Straße ab, verläuft im Hang durch Nadelgehölz und führt zur katholischen Kirche St. Peter.

Es handelt sich um einen dreischiffigen Bruchsteinbau mit spätromanischem, viergeschossigem Westturm und Mittelschiff, die vermutlich aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert stammen. Die Choranlage wurde in der Epoche der Spätgotik errichtet (14./15. Jahrhundert). Die Seitenschiffe sind neueren Datums. Im Inneren der Kirche befindet sich ein Taufstein aus Trachyt im frühgotischen Stil.

(17) Noch vor der Kirche biegt der Weg nach rechts ab und führt uns über den alten Friedhof, an dessen Ende wir uns nach links wenden. Über eine Treppe stoßen wir auf die Siegtalstraße. Vor uns ragt die imposante evangelische Kirche empor. Wir haben unser Etappenziel, Herchen, erreicht.

Herchen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Schon im Jahre 1131 tauchte der Name der katholischen Kirche St. Peter in Urkunden auf. Gräfin Mechtildis von Sayn ließ 1248 in Herchen ein Zisterzienserinnen-Kloster errichten, das aber 1581 aufgelöst wurde. Vom Kloster sind heute nur noch eine Bruchsteinwand und der Klosterbrunnen erhalten.

Im Zeitalter der Reformation wurde Herchen evangelisch. Nach dem Tod des letzten reformierten Pfarrers im Jahre 1638 wurde die evangelische Pfarrstelle vom Blankenberger Amtmann mit Jesuiten besetzt. St. Peter wurde jedoch weiterhin von der evangelischen Gemeinde mitbenutzt. Die evangelische Kirche an der Siegtalstraße wurde 1879 erbaut.

Besonderen Nutzen zog Herchen, das ursprünglich Herchingen hieß, aus dem misslungenen Aufstand Kölner Weber im Jahre 1371. Die Weber flohen aus Köln, fanden in Herchen eine neue Heimat und machten den Ort mit den „Herchinger Tuchen" berühmt.

Viele bekannte Künstler hielten sich für längere Zeit in Herchen auf. Der Romancier Josef Winckler (1881-1966) soll seinen berühmten Roman „Der tolle Bomberg", in Herchen geschrieben haben. Auch der Opernkomponist und Schöpfer der Märchenoper "Hänsel und Gretel", Engelbert Humperdinck (1854-1921), hielt sich oft in der Herchener Villa Lequis (Am Ende der Straße Am Knippen) auf. Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), Kabarettist, Schriftsteller und Schauspieler schuf sich in Herchen im Rahmen der Windecker Matinéen eine bleibende Erinnerung. Im Förderkreis Windecker Matinée sind seit seinem dortigen ersten Auftritt am 30. August 1992 viele bekannte Kabarettisten zu Gast gewesen.

(Z) Wenden wir uns auf der Siegtalstraße nach links, sind es nur rund 200 Meter bis zum Siegtaler Hof, wo Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit besteht. Entscheiden wir uns jedoch für eine Übernachtung oder Einkehr im Parkhotel Löwenburg, so müssen wir nach rechts gehen und dem K einige Meter bis zu der nach rechts abzweigenden kleinen Straße In der Au folgen.

Wegpunkte

  1. S : km 0 - alt. 226 m - Haltestelle Winterscheid Kirche
  2. 1 : km 0.51 - alt. 228 m - St. Peters-Kapelle
  3. 2 : km 1.7 - alt. 213 m - Blick auf Burg Herrnstein
  4. 3 : km 3.36 - alt. 275 m - Straße, links
  5. 4 : km 4.5 - alt. 281 m - L86 überqueren
  6. 5 : km 5.28 - alt. 285 m - Abstecher zur Häusergruppe von Schneppe
  7. 6 : km 6.92 - alt. 277 m - Kreuzung mit Kruzifix, Richtung Altenherfen
  8. 7 : km 7.26 - alt. 270 m - L317, links
  9. 8 : km 7.51 - alt. 279 m - Nutscheid-Höhenweg
  10. 9 : km 9.52 - alt. 297 m - Altenherfen
  11. 10 : km 10.35 - alt. 254 m - Kreuzung, rechts
  12. 11 : km 11.37 - alt. 209 m - Straße Lüttershausen - Rieferath
  13. 12 : km 12.35 - alt. 186 m - Rieferath - Auf dem Rübenkamp
  14. 13 : km 12.69 - alt. 162 m - Altenherfener Straße
  15. 14 : km 15.5 - alt. 210 m - Gerressener Straße
  16. 15 : km 16.01 - alt. 201 m - Gerressen - Fachwerkhäuser
  17. 16 : km 16.83 - alt. 147 m - Friedhof mit einer Kapelle
  18. 17 : km 17.14 - alt. 121 m - Vor der Kirche rechts
  19. Z : km 17.3 - alt. 105 m - Herchen

Hinweise

Anreise:
Anfahrt
Pkw/Parken
Ausgangspunkt: einige Parkplätze vor dem Hotel- Restaurant Zur Krone
Endpunkt: geringe Parkmöglichkeiten im Zentrum von Herchen

ÖPNV
Ausgangspunkt: RE9 oder S12 bis Hennef/Sieg, von dort weiter mit VRS-Bus 531 bis Haltestelle Winterscheid Kirche
Endpunkt: VRS-Bus 579 von Haltestelle Hauptstraße oder In der Au in Windeck-Herchen bis Herchen Bahnhof und weiter mit RE9 oder S12; VRS-Bus 579 verkehrt samstags nur bis Mittag.

Streckenprofil:
Wanderung mit vielen Ausblicken. Die Strecke verläuft fast ausnahmslos auf Waldwegen. Lediglich zwei längere Anstiege sind zu bewältigen. Radfahrer können die Route befahren.

Ausrüstung:
Festes Schuhwerk sollte unbedingt getragen werden

Quelle: Der Kölner Weg - Eine Wanderung in 17 Etappen - von Evert Everts unter Mitwirkung von Erhard Schönberg

Einen Besuch wert

Einkehr/Übernachtung:
Siegtaler Hof, Im Klosterhof 1, 51570 Windeck-Herchen
Parkhotel Löwenburg, In der Au 7, 51570 Windeck-Herchen

Am Wegesrand:
Höhenzug Nutscheid
Aussichtspunkte bei Schneppe und Altenherfen
Kirche St. Peter in Herchen (17)

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