Start: Berglusthaus, 79283 Bollschweil – St. Ulrich
Zufahrtsweg Freiburg – Merzhausen – Au – Sölden – St. Ulrich
(S/Z) Die Wanderung verläuft vom Wegweiser „Berglusthaus“ (831 m ) vorbei am Wegweiser „Am Hohbühl“ (852 m) südlich des Hohbühls zum Wegweiser „Eduardshöhe“ ( 859 m).
(1) Hier stoßen wir auf den Wittiweg (blaue Raute) und biegen rechts ab zum Wegweiser „Kaltwasser“ (880 m). An der Weggabelung folgen wir dem Wanderweg nach links in Richtung Gießhübel (blaue Raute).
Am Waldrand schauen wir nochmal zurück auf die weiten Grünlandflächen der Eduardshöhe und am Hohbühl. Im Hintergrund liegt die bewaldete Anhöhe des Hörnle. Am TP Waldmatt und Höhenpunkt (898, 6 m ü. NN) verläuft auch die Grenze zwischen der Stadt Freiburg und den Gemeinden Bollschweil (Ortsteil St. Ulrich) und Münstertal. Entlang dieser sind noch einige historische Grenzsteine erhalten. Nördlich des Weges liegen im Gewann Geißmättle die Einzelhöfe Lehhof, Jochhaus und Eduardshöhe, die bereits zu Horben gehören.
Sie entstanden Ende des 18. Jahrhunderts infolge des Bevölkerungsdrucks der zur Ausweitung der Siedlungen in die höheren Lagen führte. Links am Weg befindet sich eine umfangreiche Moränenablagerung, die auf die frühere Eisrandlage des (Feldberg-) Schauinsland - Gletschers während des Höchststands der letzten Kaltzeit (Würm-Kaltzeit, vor ca. 18.000 Jahren) hinweist. Es handelt sich um einen hufeisenförmigen sich nach Westen öffnenden Moränenbogen.
(2) Im Wald steigt der steinige Weg steil hinauf zum Wegweiser „Kaltwasserwald“ (998 m), von dem aus ein Wanderweg zum Sailendobel und weiter zum Lehhof abbiegt (s. Rückweg).
Der eingetiefte Talkessel rechts des Weges wurde während der letzten Eiszeit als Kar („Gießhübel-Kar“) geformt und in der anschließenden Warmzeit durch die Oberläufe der Möhlin zerschnitten.
Oberhalb des Wegweisers überqueren wir das Gerinne vom Hauptbach der Möhlin, die in 1082m Höhe weiter östlich am Hang des Schauinslands entspringt.
Das Wasser der Quellbäche überflutet häufig den Wanderweg. Im Winter, wenn es gefroren ist, wird er für Skifahrer, wegen der Glättegefahr gesperrt; aber auch Wanderer sollten ihn dann meiden. In den Quellmulden blüht im Sommer die hochmontane Hochstaudenflur (u. a. mit Alpenmilchlattich, Alpendost, Greiskraut). Im Kaltwasserwald fällt der breite, zum Teil noch mit Steinen verfestigte Hohlweg auf. Diese Anlage ist ein typisches Kennzeichen einer mittelalterlichen Straßenverbindung. In dem vorliegenden Fall handelt es sich um die einstige Verbindung zwischen der Stadt Freiburg und seinen Bergbaurevieren bei Todtnau und Todtnauberg, die innerhalb des beschriebenen Wandergebiets von Horben über Gießhübel bis zur Halde hinaufzieht. Streckenweise folgt der regionale Wanderweg (Zugangsweg zum Westweg), bzw. der Dreiländerweg dieser alten Straße.
(3) Der Kaltwasserweg trifft oben auf die Kreisstraße K 9854/4957, auf der wir in der Linkskurve den Wegweiser „Am Gießhübel“ (1064 m) erreichen. Von dort geht es weiter zum Gasthof Gießhübel auf dem Stohren (Wegweiser „Gießhübel“, 1055 m).
Der Name setzt sich zusammen aus dem alten Wort „Hübel“ (für Berg) und der Vorsilbe „Gießen“ (die auf viel Regen verweist). Er kann sich aber auch auf den Bergbau beziehen (Erzwäsche im benachbarten Sägedobel) „Stohren“ leitet sich von „storre“ (= steil) ab und bezieht sich auf das steil abfallende Gelände. Eine andere Deutung verbindet den Namen mit dem Holzeinschlag (Storre = Baumstrunk). Dafür sprechen der Name "Sägebach" und die Hofgruppe Sägenbach sowie die Obere Rütte. Die Bezeichnung Stohren umfasst heute das verstreute Siedlungsgebiet an den oberen Quellbächen des Neumagens, das als „Rotte“ (Ortsteil, Verwaltungseinheit) zur Gemeinde Münstertal gehört.
Das 1910 erbaute Restaurant Gießhübel ist die höchst gelegene Wirtschaft der Gemeinde Münstertal und ein beliebtes Ausflugslokal mit Pensionsgeschäft. Von der Freiterrasse erhält der Besucher eine herrliche Aussicht auf die Einzelhofsiedlung von Stohren und die südlichen Schwarzwaldberge. Urkundlich nachgewiesen ist das Anwesen seit 1710 („alte Vogt vom Storren“). Im Totenbuch von 1749 wird erstmals der „Giesshübelwirt“ genannt. Wahrscheinlich bestand bereits früher eine Wirtschaft in Verbindung mit dem Bergbau und der Paßstraße.
Die Gießhübel-Kapelle Sankt Maria mit polygonalem Chorabschluß und Dachreiter wurde 1892/93 als Hofkapelle erbaut. Im Innern befinden sich ein neugotischer Altar mit historischem Schrein und eine Madonnenfigur mit Kind.
(4) Die Wanderung wird zum Wegweiser „Farnacker“ (1060 m) an der Kreisstraße K4958 fortgesetzt. Gegenüber führt ein Trampelpfad zwischen dichtem Baumbestand (Bergahorn, Vogelbeerbaum u. a.) die Straßenböschung hinauf. Dieser Einstieg ist nur durch einen weißen Pfeil auf einem Holzpfahl gekennzeichnet (nicht durch die gelbe Raute).
An der Kreisstraße beginnt das Naturschutzgebiet „Schauinsland“ (s. amtliches Schild: Weißkopfadler im grün umrahmten Dreieck). Das Naturschutzgebiet wurde 2002 (Neufassung 2006) mit einer Fläche von 1054 ha ausgewiesen. Umgeben wird es von einem 5484 ha großen Landschaftsschutzgebiet. Der Schutzzweck ist die Erhaltung und Pflege der vielfältigen naturbedingten wie durch den Menschen über Jahrhunderte gestalteten Gebirgslandschaft. Als Beispiele der schützenswerten Objekte berührt der Wanderweg die montanen Mischwälder, die weiten Grünlandflächen mit Weidbäumen und Wetterbuchen, die in der Eiszeit geprägten Oberflächenformen und die Bergbaurelikte. Das heutige Wald-Offenland-Mosaik geht zumeist auf den mittelalterlichen Bergbau zurück, aber auch auf die landwirtschaftliche Nutzung.
Die Wanderroute verläuft hangaufwärts über ein Wiesengelände zu einer geteerten Straße, die zu einem Wohn-und Ferienhaus (Stohren 19) und weiter zum Uni-Haus der Universität Freiburg (früher Fachschaftshaus, Stohren 18) führt.
Dieses mit Schindeln gedeckte Schwarzwaldhaus in idyllischer und ruhiger Lage (1100 m ü. NN) wird seit 1935 für ein- und mehrtägige Lehrveranstaltungen (Seminare, Exkursionen, Fachtagungen) genutzt. Vom Waldrand aus lohnt sich ein Blick zurück auf das Siedlungsgebiet von Stohren und auf den Belchen sowie den Blauen im Hintergrund.
(5) Rechts einer Ferienhütte geht es in den Wald hinein. Von hier ab führt der Wanderweg (gelbe Raute) auf einem Fuhrweg den Bergriedel hinauf, auf dem auch der Schauinsland-Rundweg verläuft.
Der Wald im Gewann Farnacker besteht aus Rotbuchen (u. a. Weidbuchen) und Fichten. An lichten Stellen setzt sich der Jungwuchs ebenfalls aus Buche und Fichte zusammen. Entlang des Weges stehen historische Grenzsteine. Die ersten beiden von 1839 markieren die Gemeindegrenze zwischen Bollschweil (Ortsteil St. Ulrich) und Münstertal (Rotte Stohren), worauf die Initialen hinweisen. Der Grenzstein weiter oberhalb an der Weggabelung mit der Jahreszahl 1723 und daneben der jüngere Grenzstein kennzeichnen zusätzlich die Grenze zu Freiburg (s. Wappen auf der Nordseite). Parallel zum streckenweise steinigen Wanderweg verlaufen Hohlwege, die auf eine ältere Nutzung der Route zum Schauinsland hindeuten.
(6) Am höchsten Punkt des Weges steht der Wegweiser „Burggraf“ (1185 m).
Der Name weist auf das Berghaus (Stohren 23) hin, das versteckt hinter hohen Fichten steht. Vorgänger des Gebäudes war eine 1869 erbaute Wanderhütte, die 1925 von der Familie Burggraf zu einem Berghotel umgebaut und 1936 zu einem Sporthotel (Hotel Burggraf) erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Berghaus eine unterschiedliche Nutzung (u. a. als Kurheim für Kinder und als Rehabilitationsklinik). Nach langem Leerstand und beginnendem Verfall versucht die Berghaus Freiburg GmbH, das in schöner Lage befindliche Gebäude wieder herzurichten. Geplant ist die Nutzung und der Ausbau des Anwesens für attraktive Ferienwohnungen (Gästeappartements) mit Freizeiträumen und Gastronomie.
An der Grundstücksecke steht ein Grenzstein aus Granit, der die Grenze zwischen Freiburg und Oberried (Ortsteil Hofsgrund) markiert. Vom Wegrand gegenüber erhält man einen Blick auf den Steilabfall des Sailendobelkars. Von dem benachbarten Wachtfelsen bis zur Sailenmatte (Karboden) beträgt der Höhenunterschied hier 190 Meter.
Hinter dem Wald führt der Wanderweg entlang ausgelassener Weidflächen mit Weidbäumen und Jungwuchs (u. a. Rotbuche). Von den Ruhebänken am Waldrand eröffnet sich ein herrlicher Ausblick auf den Feldberg und bei klarem Wetter auch auf die Alpen.
(7) Am nächsten Wegweiser „Sailendobelkar“ (1185 m) zweigt unsere Wanderroute zur Holzschlägermatte ab.
Der markierte Pfad (gelbe Raute) umgeht das nach Nordwesten ausgerichtete Sailendobelkar, in das sich nach Abschmelzen des würmzeitlichen Eises der Sailenbach tief eingeschnitten hat und heute einen Dobel bildet. Am Rande entstanden markante Felsformationen wie der Wachtfelsen.
Vom Wegweiser „Sailendobelbach“ ( 1130 m) geht es dann bergab durch einen Buchenwald zur Schauinslandstraße (L 124).
(8) Wir überqueren diese und wandern weiter entlang des Hanges und vorbei an Quellen zum Wegweiser „Hüetlinsruhe“ (958 m).
Die Schutzhütte oberhalb des Wegweisers ist benannt nach dem damaligen Leiter des Städtischen Forstamts Freiburg, Oberförster Gustav Hüetlin (1834 – 1906). Unter seiner Leitung wurde 1896 die Fahrstraße vom Bohrerwirtshaus zum Rasthof auf dem Schauinsland gebaut.
(9) An der Weggabelung stößt die Wanderroute auf einen Forstweg, den Ramselendobelweg, auf dem wir nach links abbiegen.
(10) Nach 100 m erreichen wir auf der Holzschlägermatte den Wegweiser „Holzschlägermatte“ (950 m) und den gleichnamigen Berggasthof.
Das bei Auto-, Motorrad- und Fahrradfahrern sowie bei Wanderern beliebte Ausflugslokal an der rund 12 km langen und serpentinenreichen Schauinslandstraße (L 124) war längere Zeit geschlossen und wurde erst 2014 von der Familie Dörthe und Mike Minuth wieder eröffnet. Angeboten werden Gerichte aus badischer Küche mit Produkten der Region. International bekannt wurde das Gasthaus im Zusammenhang mit den von 1923 bis 1984 ausgetragenen Bergrennen, da früher oberhalb der markanten Straßenkurve die Tribüne als Hauptzuschauerplatz stand. Heute dient das Gebäude dem Forstamt als Lagerschuppen. Die Schauinslandstraße wurde erst zwischen 1963 und 1964 zur Landstraße 1. Ordnung ausgebaut. Davor war sie als befestigter Holzabfuhrweg noch in einem schlechten Zustand, worauf historische Aufnahmen aus der Zwischenkriegszeit hinweisen. Nordwestlich des Gasthauses befinden sich zwei große und weithin sichtbare Windräder, die dort 2003 errichtet wurden und Strom für über 5600 Haushalte liefern.
In der Straßenkurve überqueren wir am Schild „Notruf“ die Schauinslandstraße und gelangen auf den Heuweg (gelbe Raute), der uns zwischen Wiesen (Matten) und Weiden bergab führt.
Von Mai bis zur Mahd im Juli erscheinen die Wiesen in einer bunten Blütenpracht. Unter den Wiesenblumen fallen u. a. folgende Arten auf: Margerite, Storchschnabel, Witwenblume, Scharfer Hahnenfuß, Wiesenkerbel und Rote Lichtnelke. In den feuchten Quellmulden blüht im Frühjahr die Sumpfdotterblume, im Sommer der Eisenhutblättrige Hahnenfuß (weiße Blüten). Weidbuchen und Buschgruppen sorgen für eine Abwechslung im offenen Grünland.
(11) An der Wegschranke führt der Wanderweg in den Wald hinein. Vom Waldrand aus lohnt es sich, nochmals einen Blick auf die Wiesen und auf die Holzschlägermatte zurückzuwerfen.
(12) In einer scharfen Rechtskurve führt der Weg über den Sailendobelbach.
Er entwässert das in der Würm-Eiszeit geformte Sailendobelkar. Am Bachübergang liegt Moränenmaterial des ehemaligen Gletschers. Der Gebirgsbach zeichnet sich durch Stromschnellen und kleine Wasserfälle aus, die zwischen freigespülten Blöcken und Steinen herabstürzen. Besonders eindrucksvoll ist der vielfältige Waldbestand, in dem prächtige Exemplare der Rotbuche und der Weißtanne vorkommen. An anderen Stellen tritt auch Niederwald und Jungholz auf. Der Nordhang links des Weges ist gekennzeichnet durch ein dichtes Netz von Quellaustritten, die der Heuweg in kurvenreichem Verlauf umgeht. Der Steilhang unterhalb der rechten Wegseite ist durch felsige und blockreiche Abschnitte charakterisiert. An mäßig geneigten Hängen bildeten sich über blockreichem Hangschutt mittelgründige Braunerden. Ein weiterer Bach mit Stromschnellen und freigelegten Blöcken im Gerinnebett taucht in der nachfolgenden Wegabbiegung auf. Er mündet weiter unterhalb in den Sailendobelbach.
(13) Auf der Gegenseite des Baches steht der Wegweiser „Heuweg“ (860 m). Dort trifft der Heuweg mit dem aus Horben-Bohrer kommenden Karrweg zusammen.
Der Name Heuweg, der auch auf den Wanderkarten WMN 2010 und WHS 2014 erwähnt ist, bezieht sich auf den Fuhrweg, auf dem die Bauern der Kohlerhöfe viele Jahre lang ihren Bedarf an Heu von der Holzschlägermatte herbeibrachten. An der Weggabelung Heuweg/Karrweg weist ein Lade- und Sammelplatz von Scheithölzern auf die waldbauliche Nutzung im Freiburger Forst hin.
Der weitere Weg führt wiederum durch einen eindrucksvollen Mischwald (u. a. mit Rotbuche, Bergahorn und Tanne).
(14) Etwa 200 m hinter dem Wegweiser „Heuweg“ erreichen wir eine Lichtung, wo sich der __Wegweiser
„Lehrank“__ (875 m) befindet.
Der Name setzt sich zusammen aus „Leh“ (= Lehen, geliehenes Land) und „Rank“ (= Biegung, Krümmung). Das als Lehrank bezeichnete Landstück liegt an einer Wegbiegung. Die Fichten am Wegrand zeigen vorhangähnlich herabhängende Zweige („Kammfichten“).
Vom Hang kommt ein weiterer Gebirgsbach aus dem Sailendobel-Quelltrichter. Nach kurzer Strecke im Wald erreichen wir hinter der Wegschranke die offenen Grünlandflächen im Gewann Geißmättle. In der Linkskurve nach dem Waldaustritt verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Freiburg und Horben.
An der oberen Böschungskante zur Wiese hin stehen historische Grenzsteine. Sie zeigen auf der uns zugewandten Seite das Wappen von Freiburg (durchgehendes Kreuz), auf der anderen Seite die Initialen GH (Gemeinde Horben). Die Wiesen und die Quellbereiche im Wald gehören zu einem weiträumigen Wasserschutzgebiet (s. Hinweisschilder).
Von der Aussichtsbank in der nächsten Linkskurve erhält man nochmals einen herrlichen Ausblick auf die Holzschlägermatte, auf die Ortsmitte von Horben und auf Freiburg sowie auf das Hörnle und den Hohbühl. Die auffallenden Baumgruppen (Traubeneiche und zwei Weißtannen) im Gewann Geißmättle wurden 1980 als Naturdenkmal ausgewiesen. Bereits auf der Gemarkung Horben liegt linker Hand der Lehhof mit zwei unabhängigen Gebäuden (Münzenriedweg 23 und 21). Er ist der höchstgelegene Hof der Gemeinde. In dem westlichen Anwesen (Nr. 21) befindet sich ein Busunternehmen (Läufer Reiseservice).
Hinter dem Wegkreuz (errichtet 1890) erreichen wir wieder die Eduardshöhe.
(1) Vom Wegweiser „Eduardshöhe“ (859 m) aus wandern wir denselben Weg zurück, den wir zu Beginn der Wanderung am Berglusthaus genommen haben (S/Z).