Start: Europäisches Informationszentrum „Centre Européen"
GPS: 49° 28’ 15’’ N 6° 21’ 59,5’’ O
32 U RW 3092214 HW 5483132
(S/Z) Bevor wir uns auf den Anstieg zum Stromberg begeben, durchstreifen wir direkt am Moselufer historisches Terrain.
Nur wenige Schritte entfernt vom Europäischen Informationszentrum „Centre Européen" erinnern drei Stahlstelen mit je einem goldenen Stern an die Unterzeichnung des Schengener Abkommens vor über 25 Jahren. Auf dem Fahrgastschiff, Princesse Marie-Astrid" signierten Vertreter Luxemburgs, Belgiens, der Niederlande, Frankreichs und Deutschlands am 14. Juni 1985 das Abkommen, das einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur europäischen Einigung war: die Abschaffung der innereuropäischen Grenzkontrollen im Personen- und Warenverkehr zwischen den Unterzeichnern. Heute gilt Schengen als Synonym für ein grenzenloses Europa: Ohne Grenzformalitäten einfach von einem Land ins andere reisen, ob zu Fuß mit dem Fahrrad oder Auto.
Zurück zum Startpunkt: Seit dem 8. Februar 2010 steht als Symbol für die Öffnung von Grenzen ein Stück der ehemaligen Berliner Mauer am Moselufer. Zum 25-jährigen Jubiläum der Unterzeichnung des Schengener Abkommens wurde im „Centre Européen das interaktive „Museé Européen Schengen" eingerichtet. Das Museum zeigt die Entwicklung Europas und viel Wissenswertes und Hintergründe des Schengener Vertrages.
Wir starten unsere Wanderung vor dem "Centre Européen", steigen einige Treppenstufen nach oben.
Linker Hand das Schengener Schloss mit seinem markanten Rundturm, das bereits 1350 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seit einigen Jahren beherbergt das Schloss einen Hotelbetrieb. Rechter Hand, gegenüber vom Schloss, entstand innerhalb des länderübergreifenden Projekts „Gärten ohne Grenzen" ein Kräutergarten. Die Beete des 2300 Quadratmeter großen Gartens mit Heil- und Kräuterpflanzen erinnern an die Tradition klösterlicher Gartenkultur.
Durch das Tor des Schlossgartens gelangen wir zur Straße "Beim Schlass" (Rue du Chateau).
(1) Am Ende der kleinen Gasse erreichen wir den Europaplatz mit einem Erinnerungsstein zur Linken, darauf steht zu lesen: 1990 Accord de Schengen, EUROPA OUNI GRENZEN, L'EUROPE SANS FRONTIERES, GRENZENLOSES EUROPA.
Am Europaplatz halten wir uns links. Zunächst steigt der Weg sachte bergan. Während wir die letzten Häuser von Schengen passieren, wird es steiler, dafür werden die Ausblicke ins Moseltal imposanter.
Wir sind unterwegs im Naturschutzgebiet des Strombergs oberhalb von Schengen.
(2) Ein schmaler Pfad windet sich nach oben bis zu einer Aussichtsplattform.
(3) Von dort aus genießen wir einen überwältigenden Blick ins Moseltal.
Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich auf saarländischer Seite der 13,2 Hektar große Perler Hasenberg. Er gehört zum Weinanbaugebiet, Südliche Weinmosel. Der Perler Hasenberg mit seinen Muschelkalkböden gehört zu den besten Lagen der Obermosel. Hier wachsen vor allem die Rebstöcke des Grauburgunders.
Der Blick reicht weiter über die Mosel bis hinter das luxemburgische Remerschen, gegenüber die Häuser von Perl, der einzigen Weinbaugemeinde des Saarlandes, weiter rechts das grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Hammelsberg, der französische Grenzort Apach, sowie die Orte Belmach, Kitzing und Manderen.
Wir wandem weiter durch den Wald des Strombergs. Teilweise verläuft die Wegtrasse auch auf dem Waldentdeckungspfad Strombierg und durch das „Naturschutzgebiet Strombierg."
Bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Vegetation am Stromberg durch den Abbau von Gips in großen Teilen zerstört. Heute hat sich die Natur das Terrain zurückerobert. Die lederartig, glänzenden Wedeln der einheimischen Farnart Hirschzunge sind am Waldboden gut auszumachen.
Bevor wir den Wald verlassen, passieren wir einen alten Grenzstein zwischen Luxemburg und Frankreich.
Auf dem Wiener Kongress (18.9.1814-9.6.1815) wurden zahlreiche Grenzen neu festgelegt und man erhob Luxemburg zum Großherzogtum. Wilhelm I. von Oranien-Nassau war der erste Großherzog. Heute ist Luxemburg das einzige Großherzogtum der Welt.
(4) Entlang des Waldes, durch Wiesen und Felder wandern wir über den französischen Teil des Strombergs. Weite Blicke eröffnen sich über Frankreich und Luxemburg. An einigen Stellen reicht der Ausblick bis Belgien.
(5) Nachdem wir auf dem Strombergplateau einen geteerten Feldweg überquert haben, steigen wir auf schmalem Pfad durch den Wald bergab.
(6) Unten angekommen, öffnet sich der Wald und bietet einen außergewöhnlichen Blick, wie durch ein Waldfenster: vor uns das auf lothringischem Boden liegende Contz-les-Bains, die Weinberge der Mosel und das Kernkraftwerk Cattenom.
Auf den Rebflächen rund um Contz-les-Bains werden vor allem Auxerrois, Rivaner, Pinot Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir angebaut. Auf Luxemburger Seite sind es Weiß- und Grauburgunder, Spätburgunder, Elbling, Riesling und Gewürztraminer. Zwischen Wiesen und Wald wandern wir mit Blickkontakt zur Mosel weiter.
(7) Kurz bevor wir die Kapelle oberhalb von Contz -les-Bains mitten im Wald erreichen, führt ein schmaler Waldpfad steil nach oben. Der schattige Platz rund um die Kapelle ist ein idealer Rastplatz an heißen Sommertagen.
(8) Oben auf dem Stromberg bietet sich ein atemberaubender Blick übers Moseltal: unter uns die steil abfallenden Felsen eines ehemaligen Steinbruchs, in weitem Bogen führt die Mosel um den Stromberg, weit reichen die Ausblicke über Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Auch die dicken Mauern der ehemaligen Festung von Sierck-les-Bains sind gut zu erkennen.
Das heutige Erscheinungsbild der Anlage oberhalb des am Moselufer liegenden Sierck-les Bains wird geprägt durch den Erweiterungsumbau im 17. Jahrhundert, den der bekannten Festungsbaurmeister Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633-1707), verantwortete. Er legte eine massive Festungsmauer mit Bastionstürmen und Schanzen um die Ruine der Kernburg anlegen, sowie einen Pulverturm, ein Backhaus und den Marstall. Durch die teilweise mehrstöckigen Geschütztürme führen zahlreiche Gänge.
Über Serpentinen verlassen wir den Stromberg nach unten und wandern vorbei an den mächtigen, fast steil in den Himmel ragenden Felsen des ehemaligen Steinbruchs.
An der Porta Nigra, dem besterhaltensten Stadttor der Antike, sollen auch Steinquader aus Contz-les-Bains Verwendung gefunden haben. Eine Schriftquelle gibt den Hinweis, dass der ursprünglich hellgraue Sandstein aus den Steinbrüchen in der unmittelbaren Nähe Triers, aus dem Biewertal und dem Pfälzer Wald stammt.
Nachdem wir die imposanten Felsen passiert haben, führt der Weg nach unten. Einige Mauerreste zeugen von ehemaligen Häusern in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs.
(9) Unten angekommen, halten wir uns links. Nach wenigen Minuten zweigt unser Wanderweg abermals nach links ab. Eine längere Bergaufpassage liegt vor uns.
(10) Später verlassen wir im Anstieg den Weg nach rechts, wandern durch dichtes Unterholz, welches mit dicken Lianen durchsetzt ist. Den Wald verlassen wir an einem steil nach unten fallenden Rebhang.
(11) Zwischen Wald und Rebhängen führt die Wegtrasse parallel zum Moseltal Richtung Schengen.
Mal wandern wir auf weichem Wiesengrund, mal auf dem harten Untergrund der Feldwege, mal auf Waldboden. Immer wieder öffnet sich der Blick zur Rechten ins Moseltal. Kurz vor Schengen müssen wir ein letztes Mal nach oben und biegen links auf einen Pfad ab. Vor allem in diesem Waldabschnitt wächst die bereits erwähnte sattgrüne Hirschzunge, eine einheimische Farnart.
(12) Während des letzten Waldabschnitts passieren wir durch Holzpfähle abgesicherte ehemalige Stolleneingänge.
1932 hatten sich die Brüder Alfons und Karl Knauf am Stromberg das Abbaurecht eines Gipsvorkommens in der Gemeinde Schengen gesichert. Ein Jahr später entstand in Perl das erste eigene Gipswerk. Der Grundstein für das noch heute im Familienbesitz befindliche Unternehmen Knauf war gelegt. Mit weltweit 24.000 Mitarbeitern zählt die Unternehmenssgruppe Knauf zu den führenden Herstellern von Baustoffen und Bausystemen in Europa.
(2) Wir erreichen wieder den Punkt, den wir vorhin passiert haben und biegen hier rechts ab.
(13) Den Wald verlassen wir oberhalb von Schengen. Die hier aufgestellte Schaukel lässt uns ein letztes Mal verweilen mit einem fantastischen Blick ins Moseltal, bevor wir den Abstieg zum Moselufer auf uns nehmen.
(S/Z) Über den uns bekannten Weg erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt.